Einwohnerversammlung zur Gesundheitsversorgung zeigte neue Perspektiven für den Standort Maria Stern
Große Beteiligung und deutliche Sorgen um die Notfallversorgung
Rund 200
Bürgerinnen und Bürger folgten am Freitag, 23. Januar, der Einladung der Stadt Remagen zur Einwohnerversammlung zur
künftigen Gesundheitsversorgung in Remagen und der Region. Anlass war die
Schließung des Krankenhauses Maria Stern Ende
November 2025. Die Veranstaltung war geprägt von großer Emotionalität,
zahlreichen Wortmeldungen aus dem Publikum und der spürbaren Sorge um eine
verlässliche medizinische Versorgung – insbesondere im Notfall.
Auf Einladung des Stadtrates nahmen unter anderem der rheinland-pfälzische Gesundheitsminister Clemens Hoch, die Landrätin des Kreises Ahrweiler Cornelia Weigand, der Insolvenzverwalter des Krankenhauses Maria Stern, Dr. Mark Boddenberg, Vertreter des Medizinischen Versorgungszentrums in Remagen sowie der Kreisgeschäftsführer des Deutschen Roten Kreuzes (DRK), Ulrich Bergmann, für den Bereich der Rettungsdienste teil. Die Kassenärztliche Vereinigung hatte ihre Teilnahme abgesagt – ein Umstand, der sowohl bei den Podiumsteilnehmenden als auch im Publikum auf deutliches Bedauern stieß.
Viele
Bürgerinnen und Bürger schilderten ihre Sorgen insbesondere angesichts der
weggefallenen
Notfallambulanz in Remagen. Gleichzeitig berichteten sie von
einer spürbaren Überlastung der Notaufnahme im Krankenhaus Maria Hilf in Bad
Neuenahr sowie von langen Wartezeiten auf Facharzttermine und Operationen. Der
Kreisgeschäftsführer des DRK beschrieb die Lage der Rettungsdienste als aktuell
herausfordernd, insgesamt aber stabil. Rund 90 Prozent der Patientinnen und
Patienten würden innerhalb der gesetzlich vorgeschriebenen Hilfsfrist von 15
Minuten erreicht.
Ursachen der Schließung und aktuelle Belastungen im regionalen Gesundheitssystem
In der Rückschau machte Insolvenzverwalter Dr. Boddenberg deutlich, dass das Krankenhaus Maria Stern in den vergangenen Jahren ein jährliches Defizit von rund vier Millionen Euro verzeichnet habe. Minister Hoch ergänzte, dass die Bettenauslastung zudem nur bei etwa 50 Prozent gelegen habe. Auf die Frage aus dem Publikum, warum eine kommunale Übernahme – etwa nach dem Vorbild von Bingen oder Alzey – nicht geprüft worden sei, erläuterte der Gesundheitsminister, dass die Ausgangslagen nicht vergleichbar seien. In den betroffenen Landkreisen handele es sich jeweils um die einzig verbliebenen Krankenhäuser und die umliegenden Häuser waren bereits vorher sehr stark ausgelastet.
Landrätin Weigand und Bürgermeister Björn Ingendahl machten zudem deutlich, dass auch die finanzielle Situation des Kreises Ahrweiler und der Stadt Remagen aufgrund hoher Defizite keine Spielräume für eine Übernahme eröffne. Auch das Krankenhausanpassungsgesetz könne aktuell nicht herangezogen werden, da es sich noch im Gesetzgebungsverfahren befinde und Fördermittel frühestens ab 2028 zur Verfügung stehen sollen.
Blick nach vorn: Hoffnung auf neue Nutzungskonzepte für den Standort Maria Stern
Gleichzeitig wurde während der Versammlung mehrfach betont, dass der Blick positiv nach vorne gerichtet werden müsse und die Hoffnung auf eine Nachnutzung durchaus gegeben sei. Insolvenzverwalter Dr. Boddenberg und Bürgermeister Ingendahl berichteten von vielversprechenden Gesprächen über eine künftige Nutzung des Standorts Maria Stern. Für Stadtrat und Verwaltung sei dabei entscheidend, dass die im Bebauungsplan festgelegte Zweckbindung eingehalten werde. Demnach müsse an diesem Standort auch künftig eine klare Ausrichtung auf die Gesundheitsversorgung erfolgen. Denkbar seien Modelle wie eine Tagesklinik oder eine sogenannte Regio-Klinik.
Bürgermeister Ingendahl kündigte an, zeitnah erneut das Gespräch mit der Kassenärztlichen Vereinigung zu suchen, um konkrete Zukunftskonzepte auszuloten. Gesundheitsminister Hoch sagte hierfür seine Unterstützung zu und verwies auf mögliche Anschubförderungen durch das Gesundheitsministerium des Landes. Auch hierzu kündigte Bürgermeister Ingendahl für die kommenden Wochen vorzugsweise gemeinsam mit dem Insolvenzverwalter und potentiellen Investoren weiterführende Gespräche an.
Die Einwohnerversammlung machte deutlich: Die Sorgen der Bevölkerung sind groß – aber es besteht der gemeinsame Wille, tragfähige und zukunftsfähige Lösungen für die Gesundheitsversorgung in Remagen und der Region zu entwickeln.
