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Skulpturenufer Remagen - bank of sculptures
Das Konzept
Remagen feierte im Jahr 2001 sein 2000-jähriges Bestehen. Das war der Anlass, entlang des Rheinufers Kunst auf Dauer zu installieren. Die Stadt Remagen betraute das ARP MUSEUM Bahnhof Rolandseck mit der konzeptionellen und organisatorischen Seite dieses Vorhabens. Grundlage für die Zusammenarbeit ist eine Vereinbarung, die 2003 vom Rat der Stadt Remagen und den Gremien des ARP MUSEUMS verabschiedet wurde. Beabsichtigt ist, das Rheinufer mit einer Skulptur pro Rheinkilometer, das heißt ca. 12-14 Skulpturen am Rheinufer Remagens, zu einem "Skulpturenufer" zu verbinden.
Künstlerisches Ziel des Skulpturenufers ist es, Werke entlang des Rheins zur "Aufführung" kommen zu lassen, die aufgrund ihrer Erscheinungsform nicht per se im tradierten Sinne als Kunstwerke auftreten. Es sollen also nicht umschlossene, hermetische Kunstwerke am Rhein entlang aufgestellt werden, sondern solche, die sich zur Gesellschaft hin öffnen, alltäglich erfahrbar werden und so zu Auseinandersetzungen anregen. So stellte in 2001 Thomas Huber zwei "Bauschilder" dort auf, wo Baumaßnahmen tatsächlich geplant waren. So pflanzte Peter Hutchinson seine "Thrown Ropes" an eine Stelle, an der auch ungeachtet von einer tieferen Kunstabsicht eine Bepflanzung Raum gefunden hätte. Und so baute Eberhard Bosslet seinen "Regenfänger" gleich einer Landmarke auf die Mole der Hafeneinfahrt von Oberwinter. Für die einzelnen Skulpturen werden sowohl internationale, deutsche, als auch mit Rheinland-Pfalz verbundene Künstler eingeladen. Bei deren Werken kann es sich um bereits existierende handeln, aber auch um solche, die gleichsam vor Ort für geeignete vorgefundene Plätze geschaffen werden. In 2002 und 2003 wurde das Skulpturenufer mit Arbeiten von Caroline Bittermann & Peter Duka, Hamish Fulton und Hans Arp fortgesetzt. 2008 und 2009 folgte die Installation der Skulpturen von Johannes Brus und Erwin Wortelkamp. Die Stadt Remagen, das Land Rheinland-Pfalz, die Stiftung Bahnhof Rolandseck und örtliche Unternehmen unterstützen das Projekt Skulpturenufer sowohl finanziell als auch ideell. Von der Ahrmündung in Kripp über die ehemalige "Brücke von Remagen", die Rheinpromenade der Römerstadt , den Hafenort Oberwinter, den Bahnhof Rolandseck mit dem Arp-Museum, die Insel Nonnenwerth in Rolandswerth bis hin zur Landesgrenze nach Nordrhein-Westfalen ist das Rheinufer durchgängig auf Wegen zu begehen oder mit dem Fahrrad zu befahren und alsbald dann auch als "Skulpturenufer" zu erleben. Die Skulpturen verbleiben an den dafür jeweils vorgesehenen Orten und gehen in die Sammlung des ARP MUSEUMs über, die dieses für das Land Rheinland-Pfalz aufbaut. Sie werden mithin auf Dauer den Bürgern Remagens begegnen, und für die Absicht von Hans (Jean) Arp stehen, der sagte: "Die konkrete Kunst möchte die Welt verwandeln und sie erträglicher machen. Sie möchte den Menschen vom gefährlichsten Wahnsinn, der Eitelkeit, erlösen und das Leben des Menschen vereinfachen. Sie möchte es in die Natur einfügen." (Hans (Jean) Arp)
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Bittermann & Duka : geheime gärten rolandswerth Caroline Bittermann, 1957 in München geboren, und Peter Duka, 1954 in München geboren, leben und arbeiten in Berlin. Bittermann & Duka, so firmieren sie als Künstlerpaar, gehen in ihren Arbeiten davon aus, dass Landschaft und Natur als Bild wahrgenommen werden, dass vor allem aber unsere Vorstellungen von Landschaft und Natur durch Bilder bestimmt sind. Sie berufen sich dabei auf die Geschichte der vormodernen Malerei und der bis zu 300 Jahre zurückreichenden Landschafts- und Gartenarchitektur, die das Gestalten von Natur im Hinblick auf ein ästhetisches Motiv für ein Bild und nach einem Bild vor Augen hatte. Denn, am Anfang des ästhetischen Naturbewusstseins war das Bild. Diese Gedanken greifen Bittermann & Duka auch in ihrer Arbeit für Rolandswerth auf. Als ihr programmatisches Ziel formulieren sie, "an den historischen Punkt anzuknüpfen, als die Malerei die Landschaftsgestaltung beeinflußte, und der Gartenbau zu neuen malerischen Motiven führte". Mittlerweile haben sie sich zur Erweiterung des Malerei-Spektrums digitale 3-D-Räume eröffnet, die sie sowohl als Malerei-Vorlagen wie auch als eigenständige Prints produzieren. Am Anfang ihrer Arbeit für Rolandswerth stand deshalb eine Computersimulation: ein Bild von dem Turm, der nun das visuelle und ökologische Zentrum ihrer "Geheimen Gärten" ist. Aber auch zu tatsächlicher gärtnerischer Arbeit sind sie gekommen. Wege werden von ihnen initiiert, Parkflächen geformt, Fledermäuse und Wildbienen eingeladen. Das Tor zu den Gärten ist ihr Entwurf, der bepflanzte und belebte Turm genau so wie die die Typografie an der rheinseitigen Treppe und die Dokumentation im alten Gewächshaus. Der theoretische Ausgangspunkt, der Horizont gleichsam der gesamten Gartengestaltung bildet ein Fragment aus Novalis' Allgemeinem Brouillon von 1798: "Die vollendete Speculation führt zur Natur zurück". Ihn gilt es verrätselt auf Tor, Turm und an der Treppe aufzufinden, wie auch neben etlichen anderen Zeichen die Lettern N-O-V-A-L-I-S an den Park-Bänken. Bittermann & Duka thematisieren in ihrem Kunstwerk die immer wieder ersehnte Aufhebung von Gegensätzen wie Natur und Kultur, Handlung und Darstellung aber auch Romantik und Aufklärung. Für sie ist der vernunftbegabte Mensch Teil der Natur. Weitere Informationen: www.geheime-gaerten-rolandswerth.de
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Hans Arp : Bewegtes Tanzgeschmeide Seit 1970 stand die Bronzeplastik „Bewegtes Tanzgeschmeide“ (1960/70) wie ein Signet vor dem spätklassizistischen Bahnhof Rolandseck. Im Jahre 2000 wurde sie aufgrund der dort begonnenen Restaurierungs- und Baumaßnahmen vorübergehend abgebaut. Das nun wiederaufgestellte monumentale Werk von Hans Arp geht auf eine ursprüngliche kleinere Fassung aus dem Jahr 1960 zurück. Basierend auf einer Absprache mit Hans Arp und autorisiert durch Marguerite Arp-Hagenbach erfolgte postum die Vergrößerung im Jahr 1970. Eine erste Vergrößerung aus dem Jahre 1961 wurde bereits im Rahmen des „Festival dei Due Mondi“ 1962 im umbrischen Spoleto gezeigt, einem der ersten public-art Projekte mit Kunst im öffentlichen Raum. Das Werk des Bildhauers Hans Arp verbindet man in erster Linie mit seinen charakteristischen amorphen Rundplastiken. Zum Ende der 50er Jahre jedoch begann er zusätzlich einen in seinen frühesten Werken schon vereinzelt angelegten skulpturalen Typus wieder aufzunehmen und weiter zu entwickeln: die Reliefplastik. Bis zu diesem Zeitpunkt lud der ständige Wandel seiner Formen den Betrachter dazu ein, die Plastiken zu umschreiten, um sie im Ganzen erfassen zu können - sie rundum wahrzunehmen, sich keiner „Schauseite“ sicher zu sein. Neu war nun eine verstärkt architektonische Formfindung und daraus resultierend eine „Reduzierung“ auf Vorder- und Rückansicht. Leerformen in den Plastiken dieses Typus’ fordern den Betrachter gezielt dazu auf, die durch sie hindurch zu sehende und sie umgebende Natur als skulptural integrierte Bestandteile einzubeziehen. Viele seiner Reliefplastiken hat Arp - zunächst ausgehend von einer kleineren Form - folgerichtig zur Ausführung als Großplastik für den Außenbereich vorgesehen, um eben dieser Einspiegelung von Natur Raum zu geben. Ein Jahr lang wurde die Plastik „Bewegtes Tanzgeschmeide“ temporär im Jacobigarten des Düsseldorfer Künstlervereins Malkasten gezeigt. Als Teil des „Skulpturenufers Remagen“ ist sie nahe des Rheinufers, vis-à-vis des Bahnhofs Rolandseck, seit dem 21. August 2003 zu sehen (Leihgabe des Landes Rheinland-Pfalz an die Stiftung Bahnhof Rolandseck für das ARP MUSEUM, Rolandseck)
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Eberhard Bosslet: Regenfänger Eberhard Bosslet, 1953 in Speyer geboren, lebt und arbeitet in Duisburg und Dresden. Eberhard Bosslet hat auf der Landzunge von Oberwinter eine ca. zwölf Meter hohe Skulptur, den „Regenfänger“ realisiert. Der für Remagen von Bosslet entwickelte Turm besteht aus einer allseitig einsehbaren Konstruktion aus Holz und Stahl. Dieser Turm entstammt in seiner Struktur einem Schalungssystem des Beton-Hochbaus, das in Verbindung mit einem aufgesetzten Trichter aus Stahl zum „Regenfänger“ für Remagen wird. Das Fallrohr des Trichters befindet sich im Zentrum der Turmstruktur, endet dort in drei Meter Höhe und wird bei Regen gleichsam, wie Bosslet sagt, zur „öffentlichen Dusche“. Einem aus der barocken Gartenarchitektur bekannten point de vue (Aussichtspunkt) gleich zieht Bosslets „Regenfänger“ den Blick von allen Seiten auf sich. Sowohl von der Straße wie auch aus der weiten Ferne des anderen Flussufers fixiert Bosslets technoide Skulptur unseren Blick. Dadurch entsteht eine Sicht auf die Skulptur und die sie umgebende Landschaft – gleichsam ein Landschaftsbild.
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Peter Hutchinson: Thrown Ropes Peter Hutchinson, 1930 in London geboren, lebt und arbeitet in Provincetown, Massachusetts, USA. Peter Hutchinson ist einer der ersten ökologischen Ästheten. In Remagen hat er seine bisher größte und komplexeste Bodenarbeit auf der Rheinwiese realisiert.Seine „Remagener Arbeit“ entstammt der Werkgruppe der Thrown Ropes, der geworfenen Seile. Hutchinson hat zu diesem Zweck ein zehn Meter langes Seil mehrmals geworfen, um so mehr oder minder sich zufällig bildende geworfene Linien zu erhalten. Diese Linien, die gerade, geschlängelt oder auch gewunden sind, wurden im Anschluss an diese Entwurfsarbeit mit sorgfältig ausgesuchten, unterschiedlichen Blumen und Sträuchern bepflanzt, die jahreszeitenabhängig grünen, blühen oder auch temporär verschwinden. Aus der Tradition der Land Art heraus richtet Hutchinson seinen Blick auf und in die Natur als übergeordnet gegebenen Lebensraum, den er in intensiver Auseinandersetzung und Einfühlung so neu partiell gestaltet, belebt und ins Bewusstsein hebt. Ins Bewusstsein hebt er so, dass Pflanzen sich ihren Ort suchen, an dem sie gedeihen und dass Zufälle und Gegebenheiten eine fundamentale Rolle spielen – dabei spielen ökologische Idealbedingungen die ihre. Dies tritt durch die „Remagener Arbeit“ deutlich ins Auge: wie Risse im Boden sind die Blumen- und Pflanzenreihen gesetzt und nicht geometrisch und winklig, wie wir es aus den domestizierten Gärten her gewohnt sind; wie gewachsen erscheinen so die Formen und nicht wie gesetzt; ihrem eigenen Rhythmus entsprechend sind sie und ihre Form sichtbar. Dem Jahreszeiten Auf und Ab entsprechend treten sie in den Blick oder entziehen sich ihm.
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Thomas Huber: Bildbauschilder Thomas Huber, 1955 in Zürich geboren, lebt und arbeitet in Mettmann. Huber stellt seit über 10 Jahren Bilder in Form von Bauschildern aus. Immer handelt es sich bei diesen Bildern um Visionen, die gleichwohl mit den realen Bedingungen vor Ort korrespondieren. Die alte Kunstfrage nach der Realität der Kunst, die, dass ein Bild nur dann gelungen ist, wenn die Vögel in die gemalten Früchte picken, weil sie glauben, dass es sich um reale Früchte handelt, wird so von Huber in unsere Zeit überführt. Für das Skulpturenufer Remagen – das Huber auch auf die andere Rheinseite nach Erpel ausdehnt – hat er zwei Bilder-Bauschilder realisiert, die jeweilig an den Anlegern der Fähre „Nixe“ postiert sind. Denn da es die bis Kriegsende noch vorhandene „Brücke von Remagen“ zwischen Erpel und Remagen nicht mehr gibt, fährt dort heute die kleine „Nixe“. Ohne sie gäbe es, Telekommunikationsmöglichkeiten ausgeschlossen, nur den Sichtkontakt.
Auf diesen Sichtkontakt über den eigentlich trennenden Rhein hin spielt Thomas Huber mit seinen Bauschildern an. Von Remagen aus ist Hubers bildliche Vision Erpels und von Erpel aus die Remagens mit seiner neu gestalteten Promenade zu sehen. Beide Bilder sind Teil eines lang angelegten urbanistischen Utopiekonzepts von Thomas Huber. Er entwirft seine ideale Stadt mit Hotels, Altersruhesitzen, Rundfunkanstalten, Museen und Gebeinhäusern. Und dies im gleichen Medium wie es seit Jahrhunderten geschieht: dem Medium des Bildes. Das Schild in Erpel gibt also nicht nur die Ansicht wieder, sondern das Bild seiner Utopie – der Utopie, wie sich Thomas Huber die Ansicht von Remagen mit seiner neuen Promenade vorstellt.Und das Bauschild in Remagen zeigt die Vision für ein neues Panorama, das den Remagener Bürgern beim Blick über den Rhein nach Erpel potentiell bevorstehen kann.
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Johannes Brus: Treidelpfad Johannes Brus, 1942 in Gelsenkirchen geboren, lebt und arbeitet in Essen-Kettwig. Seit Mitte der 1970er Jahre sind Pferde ein immer wiederkehrendes Motiv in Brus’ Arbeiten. Zunächst tauchten sie in Anlehnung an das Blaue Pferd von Franz Marc in seinen Fotografien auf. Später wurden sie Mittelpunkt seiner Skulpturen, einige massiv und unumstößlich aus Beton, einige kleiner und zarter, bis hin zu Miniaturpferden oder in jüngster Zeit auch Bronzeskulpturen. Am Rheinufer von Remagen-Kripp kombiniert Johannes Brus beide Materialien. Ein Boot aus Beton und zwei Pferde aus Bronze greifen die Geschichte des Ortes auf und kehren ein früher gewohntes Bild um. Über Jahrhunderte wurden die Schiffe mit Hilfe von Pferden flussaufwärts gezogen und Kripp nahm die Stellung einer bedeutenden Treidelstation zwischen Köln und Koblenz ein. Nun können die damals stark beanspruchten Arbeitspferde in der Skulptur „Treidelpfad“ frei von jeglicher Last auf einem Betonboot verweilen.
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Erwin Wortelkamp: im Stande Erwin Wortelkamp, 1938 in Hamm/Sieg geboren, lebt und arbeitet in Hasselbach/Westerwald und Acquaviva Picena/Italien. Auf dem Leinpfad zwischen Remagen-Kripp und der Brücke von Remagen hat die Skulptur „im Stande“ ihren Platz gefunden, gemäß Wortelmanns Credo „Skulpturen suchen und finden ihren Ort“. Die ausgewählte Stelle am Rheinkilometer 631 bietet einen weiten Blick auf die Landschaft und verstärkt deren Tiefe und horizontale Ausprägung durch die Vertikalität der Skulptur. Vom Leinpfad aus erscheint die Skulptur als unumstößlicher Fixpunkt, vom Wasser aus wirkt sie zeichenhaft und flüchtig. Erst aus unmittelbarer Nähe offenbaren sich die leicht geschwungene Außenform und die harten Materialeinschnitte, welche den Betrachter zum näheren Hinschauen animieren. Dabei wird der Blick auf eine Quaderform im unteren Drittel der Skulptur gelenkt, die Wortelkamp als „Schatz-Kästlein“ bezeichnet. Was sich dahinter verbirgt bleibt sein Geheimnis und der Phantasie des Betrachters überlassen.
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